ÜBERleben
3. Februar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 34 Tage bis zur Premiere

Textlernen. Man denkt: Das geht nie. Aber es geht. Wichtig ist: Immer laut lernen, auch wenn einen zb die anderen Leut’ im Fitnesscenter für verrückt halten, weil man auf der Bauchmuskelmaschine laut sagt: “Sueben, Sachsen, Jüten. Alemanen, Franken, Haruder. Sithonen, Bastarnen, Heruler. Lemovier, Mugilonen, Zumier. Terwingen, Ambronen, Bajuwaren. Cherusker, Dulgubnier, Langobarden.” Oder auch: “Kadestasadastakolmestakymmenestäneljestätalosta.” Selber schuld, warum habe ich mir auch Stämme der Völkerwanderung und finnische Zahlwörter ins Programm geschrieben?

Am Dienstag (19 bis 21 Uhr) bin ich zu Gast bei Blacky Schwarz in Radio Wien. Wir spielen Danzer und reden über Heimatgefühle. Ich mag ja Heimatlieder, nur ist mir wurscht, ob sie von der Volksmusik oder von den Beatles kommen. Musik ist immer Heimat.

Zum Glück durfte ich die Sendung aufzeichnen. Denn jetzt kommt meine liebste und zudem die für den Erfolg vielleicht wichtigste Probenwoche: Gastein, Skifahren mit meiner Tochter! Tiefschnee, Frittatensuppe, Katzenhütte.

Yksi, Kaksi, Kolme - los!

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 30. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 38 Tage bis zur Premiere

Blacky Schwarz, der Manager und Freund von Georg Danzer, lädt mich in seine Sendung auf Radio Wien. Das Thema lautet “Heimat”. Für den siebenten. Einziges Problem: Blacky sagt völlig korrekt Februar, ich verstehe aber Jänner. Am 7. Jänner bin ich irritiert, dass im Radio niemand auf mich wartet.

Der Irrtum klärt sich auf. D0ch am 7. Februar bin ich in Gastein, zu meiner alljährlichen Vater-Tochter-Skiwoche. Und die sage ich nicht ab, nicht unter einem komplizierten Beinbruch jedenfalls. Blacky ist geduldig und bietet mir an, die Sendung aufzuzeichnen. Danke, das ist wirklich nett.

Ich liebe Radio, ich finde, Radio ist das schönste aller Medien. Man spricht mit den Menschen, aber man drängt sich ihnen nicht auf. Aufgezeichnet wird von elf bis 13 Uhr, für mich ist das die Morgenshow. Alles läuft gut, Blacky lässt mich reden und so kann ich sogar erzählen, wie mein Vater immer auf dem Akkordeon Beatles spielte und aus z. B. “Please Please Me” einen Landler machte. Nicht, weil er so ein guter Musiker war, sondern weil er nur Landler konnte. Kein Wunder, dass aus mir ein so seltsamer heimatloser Mensch wurde: Zur Idee “Österreich” habe ich gar keinen Bezug, ich krieg in Los Angeles ebenso Heimatgefühle wie in Mödling, und “Hey Jude” ist mir ebenso Heimatlied wie “Wann i durchgeh durchs Tal”. Ich finde es ja interessant, dass die meisten Menschen Identität nicht dadurch definieren, was sie sind - sondern dadurch, was sie nicht sind.

Niemand hat “Heimat” je besser definiert als Georg Danzer: Wo meine Kinder schlafen/da bin i daham. Natürlich spielen wir das Lied, also “Atemzüge”, in der Sendung. Wer Lust darauf hat (und auf Goisern, Wilfried, Bilgeri, Ausseer Hardbradler, Heller & Qualtinger, Narish, Texta, STS, Klimmstein …): Am 7. Februar auf Radio Wien.

Natürlich darf ich Werbung für das Programm machen und über Heini Hemmi erzählen und Lögregluhundurinn Rex, über die Stadt Y in Alaska und über die Seitenwinde in Estoril, die auch von vorne und hinten kommen.

Am Ende fragt mich Blacky, ob ich die Sendung eh anhören werde. Ich: Wie soll das gehen, kein Radio Wien in Gastein! Blacky deutet auf mein Handy: Naja, mit der Radio-Wien-App…! Ich: Blacky, dieses Handy kann nur telefonieren, da gibts keine Apps. Blacky schaut mich an, als wolle ich ihn verarschen.

Und wieder einmal weiß ich: Alle sind anders, nur ich bins nicht.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 25. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 42 Tage bis zur Premiere

Die gestrige Probe brachte entscheidende Erkenntnisse:

- der Spülkasten hört auf zu rinnen, wenn man einmal mit der Faust vorne draufhaut.

- der Matthias ist der einzige Mensch, der zwar immer Bier, aber nie Licht im Kühlschrank hat. Das passt gut zu unserem Programm, denn da wird es auch dunkel.

- “Something” von George Harrison ist nicht nur Frank Sinatras “liebste Lennon/McCartney-Komposition”, sondern ein unfassbar gutes Lied. Weil es nämlich auf ganz, ganz einfache Weise sehr schwierig ist. Darum gehts überhaupt immer, glaub ich.

- Marcel Hirscher ist schon ein sehr guter Typ. Selbst ein Einfädler von ihm hat mehr Charisma als ein dritter Platz von wem anderen. Und dann gewinnt er auch noch genau dann, wenn der Druck am höchsten ist. Wie macht der Hund das? Auch sehr schön: Wie er ganz, ganz fein beim TV-Interview durchblicken lässt - nur durch ein Lächeln oder eine winzige Änderung im Tonfall - wie blöd er die Fragen findet.

- den Pointner, den nehmen wir uns auch als Beispiel. Weil er zeigt, wieviel Erfolg man hat, wenn man darauf verzichtet, schmal zu denken.

- Wer weiß schon, wann es wirklich aus ist? Der Satz muss noch hinein, er passt perfekt zwischen Anja Kruse und die Ewigkeit. Jetzt sitzt das Ende wirklich.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 23. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 44 Tage bis zur Premiere

Und plötzlich war klar, was uns noch gefehlt hat: Das Duell. Spiel mir das Lied vom Tod. Mensch gegen Meerschwein. Es kann nur einen geben.

Es macht Spaß, mit dem Schwein zu spielen, obwohl es natürlich eine Rampensau ist. Auch der Dialog mit einer Taschenlampe und dann der mit einem Joghurtbecher gehen gut. Dank meinem Regisseur Matthias Kempf denke ich an dieser Stelle jetzt immer an Jack Bauer, der die Atombombe mit der Nagelschere entschärft.

Manchmal werde ich gefragt, was ein Regisseur beim Kabarett so macht. Matthias findet z. B. gerne “Bezüge”, etwa auf Sitzmöbeln.

Und er gibt uns die Haltungen vor, mit denen etwas zu spielen ist. Etwa: “Wir müssen weniger denken. Und wir müssen mehr denken.”

Meine Lieblingshaltung, ausgedacht von Matthias: “Wir müssen so spielen, dass uns der Stecken im Lachen halsen bleibt.”

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 19. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 48 Tage bis zur Premiere

Heute sagt der Koch in der Kantine zu mir: “Mogst a a Cordon?”

Nein. Danke.

“Sehr guat, is nämlich eh aus.”

Cordon Bleu oder Schnitzel oder Backhendel, das reißen sie euch aus den Händen, oder?

“I sog das ehrlich, i kennt a Wettex a aussebochn, sie tetatns a essen. Hauptsoch, paniert.”

Ich weiß jetzt noch nicht genau, wie ich diese Information in der Probe verwerte, aber irgendwie scheint es mir das ein Geheimtipp für den sicheren Erfolg zu sein. Und falls Sie mich demnächst paniert und bochn auf einer Bühne sehen, wissen Sie, warum.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 17. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 50 Tage bis zur Premiere

Ist natürlich blöd, wenn man nach drei Proben draufkommt, dass der ganze zweite Teil zum Kübeln ist.

Andererseits: Dann schreibt man halt die nächsten vier Nächte durch. Schlaf wird eh überbewertet.

Und jetzt ist es gut, und das Proben macht Spaß. Vor allem, weil wirs diesmal ganz reduziert machen: Leere Bühne, keine Requisiten (also fast keine: ein Sessel, ein Telefon, ein rosa Plastikschwein, das grunzt, wenn man es drückt). Nur Sprache. Das mag ich.

Ach ja: Wir haben jetzt auch eine Vorpremiere: Samstag, 3. März, Stadtgalerie Mödling

www.diestadtgalerie.at

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 11. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 57 Tage bis zur Premiere

Erste Leseprobe im Roten Löwen.

Erleichterung: Dem Darsteller gefällt der Text des Autors. Das ist wichtig, denn beide müssen in weiterer Folge gut miteinander auskommen, sie sind nämlich ein und diesselbe Person.

Überraschung: Regisseur Matthias Kempf hat jetzt einen großen Bildschirm, von dem man beim Proben den Text ablesen kann und in den er in Echtzeit Änderungen einträgt. Technik ist also doch nicht nur zu dem Zweck erfunden worden, mich zu demütigen.

Verblüffung: Eine nie geschriebene Figur stellt sich vor und will mitspielen - das rosa Plastikschwein, das grunzt, wenn man es drückt.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 9. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 59 Tage bis zur Premiere

Ich bin gern nachts wach und schlafe tags. Insofern ist ein verlängertes Wochenende ideal, um endlich das Programm fertig zu schreiben. Herrlich ist das: Gegen Mitternacht KISS in den CD-Schacht oder einen Bond in die PS3 werfen und schreiben, bis es hell wird.

Einziges Problem: Wenn dann um 8 Uhr morgens die Unternachbarn beginnen, diverse Zwischenwände umzulegen, und zwar, den Geräuschen nach zu urteilen,  mit Hilfe von Dynamit; wenn durch die Vibrationen im Gemäuer bei mir um 9 Uhr der Schlauch von der Waschmaschine abreißt und das Wasser das Bad überflutet; wenn um 10 Uhr die Sternsinger Sturm läuten (ich lass sie nie rein, ich hab Angst vor der Musik);

dann ist das nicht so super.

Dankesworte übrigens an meine Freundin, die spontan im letzten Moment beim Gegenlesen draufkommt, dass der Anfang umgeschrieben gehört und eine zusätzliche Figur erfindet (ein rosa Plastikschwein, das grunzt, wenn man es drückt).

Morgen beginnen die Proben in unserem Proberaum, intern genannt “Der rote Löwe”. Kempfi, ich freu mich. Und diesmal brauch ich nicht einmal ein Salzstangerl.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 3. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 66 Tage bis zur Premiere

Ernähre mich von Christbaumbehang, höre KISS und schreibe. Nach 14 Stunden ist die erste Hälfte bis zur Pause fertig. Dankesworte an Paul und Gene!

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 1. Januar 2012 Guido Tartarotti >

Probentagebuch “Heini Hemmi”

Noch 68 Tage bis zur Premiere

Interessante Erkenntnis: Auch mitten in einer Burgtheater-Premiere kann einem eine komplette Kabarettszene einfallen. Hoffebtlich kann ich all das lesen, was ich im Dunklen auf mein Programmheft gekritzelt habe.

Dunkel wirds eh auch werden in “Heini Hemmi”.

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