ÜBERleben
3. September 2010 Guido Tartarotti >

Cheyenne und die Suche nach dem Löffel

Warum man Musik probt, aber Kabarett probiert und den Bärlauchtanz tanzt

Ich fand das Proben immer viel schöner als das Auftreten. Meine erste Band hieß Sticky Fingers. Wir hatten ein einziges Lied, das hieß rätselhafterweise „Cheyenne“. Der Text ging so: „Gestern traf ich eine geile Maid, ich f%$§te sie im Gras, es tat mir nicht leid“. Was durchaus  lächerliches Potenzial besaß, denn wir waren alle um die 14 und hatten im Gras noch nichts Brisanteres getan als Fußballspielen und Löwenzahn für das Meerschweinchen pflücken. Wir probten im Kinderzimmer unseres Schlagzeugers und stellten uns vor, wie bald die volle Wiener Stadthalle diese Zeile mitbrüllen würde.

Heute heißt meine Band NOW, und immer noch kenne ich keinen größeren Spaß als Proben. Stundenlang schraubt man am Arrangement von zweieinhalb Takten der dritten Strophe, immer in dem Bewusstsein, man könnte ja gerade den nächsten Superhit in der Hand halten. Bei den Proben ist das Publikum noch die ganze Welt, erst beim Auftritt reduziert es sich auf 43 Leute. Wobei: Es sind natürlich die 43 besten Leute der Welt!

Im Theater sagt man nicht proben, sondern probieren, was komisch klingt, weil ich da immer  an Schuhe denken muss. Aber es stimmt schon: Die Proben bestehen aus der Suche nach einem Löffel, um unfallfrei in den Schuh hineinzukommen.

Ich habe gerade begonnen, mein neues Kabarettprogramm zu probieren, und ich verstehe jetzt erstmals wirklich, warum ich es „Daneben“ genannt habe: Ich habe das Gefühl, der Schuh ist gleichzeitig zu groß und zu klein. Aber immerhin: Ich kann bereits fast ganz natürlich ein Salzstangerl essen, den Bärlauchtanz tanzen und den wichtigen Satz „Ich habe nämlich panische Flugangst“  sagen. Das erste („Achtung“) und das letzte Wort („Einsteigen“) klappen auch schon ganz gut, und das ganze dazwischen kriegen wir bis zum12. Oktober sicher noch hin.

Kategorie Allgemein | 1 Kommentar » 3. September 2010 Guido Tartarotti >

Kürt

Nachtrag zur Aufregung um die Süt:

Mit der türkisch benannten Milch hat es angefangen, nun ist die Vertürkung österreichischer Namen und Begriffe offenbar nicht mehr aufzuhalten: Meinen geheimen Informationen nach spielen in der österreichischen Fußballnationalmannschaft Spieler namens Veli Kavlak, Yasin Pehlivan, Ekrem Dag und Ümit Korkmaz. Wer greift da endlich durch und benennt die in Walter Klarlack, Josef Pelikan, Donald Dag und Kurt Korkenzieher um? Oder zumindest in Kürt Kürkenzüher?

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 1. September 2010 Guido Tartarotti >

Konzert NOW

hallo,

wer uns bisher versäumt hat - oder uns nochmal sehen will (es gibt menschen, die haben bis jetzt jedes NOW-konzert besucht; danke f! danke c! danke j! danke mama und papa!):

am kommenden freitag (3. september) ist die vorerst letzte gelegenheit, denn danach gehen wir ins studio. ach, dieser tour-album-tour-stress … “ins studio gehen” klingt immer wahnsinnig wichtig und rocknroll und so, heißt aber in unserem fall, wir gehen in maxls keller. wo es natürlich auch sehr rocknroll zu geht.

allenfalls:

freitag, 3. 9., bühne mayer/mautswirtshaus mödling, 20 uhr

eintritt 10 euro.

wir sind NOW, wir spielen akustischen rock mit drei stimmen und drei gitarren, wir schreiben unsere songs selber.

und wir freuen uns auf einen feinen abend!

wie ich mich kenne, werde ich es außerdem nicht unterlassen können, die geschichte vom erotikbier zu erzählen. und die vom herrn kastrati. und die, warum wir uns demnächst auf “autisten, tiere, attraktionen” umbenennen werden.

bis dann, alles liebe

guido (+maxl+didi)

 

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 30. August 2010 Guido Tartarotti >

Die Küh macht Müh

Zurück aus dem Urlaub, ein kurzer Blick in die Zeitungen, und die beruhigende Gewissheit: Eh alles wie immer. Ein Land im Schwachsinnsmodus.

Alle zucken aus, weil in Schönbrunn ein bemerkenswert schiacher Elefant namens Tulln oder Lumumba oder Duliebergott auf die Welt kam, an dem alles zu lang ist. Und ein Regenwurm, aus dem angeblich einmal ein Panda werden soll. Österreich (die Zeitung jetzt), wie immer im Aggregatzustand der Hysterie, erleidet einen Fieberschub und fantasiert davon, dass in keinem anderen Zoo der Welt “so viel gesexelt” wird. Ach ja, ein Eselbaby gibt es auch, das ist niedlich. Stichwort Panda und Esel: Mich erinnert das wieder an den BZÖ-Leithengst Bucher, der einmal launig dem Bundeskanzler im Parlament ein Stofftier schenkte, welches dessen Faulheit symbolisieren sollte, und dabei sagte: “Und desholb überreihe ih ihnan diesen Goalabär.” Aber es war leider ein Panda.

Alle hyperventilieren vor Angst wegen eines angeblichen Killer-Bakteriums, das erst zwei (!) Personen befallen hat. Offenbar hat sich die Schweinegrippe zu Tode gegrunzt und die Pharmaindustrie braucht einen neuen Marketing-Gag - und die Erregungsjournalisten machen freudig mit.

In der Kronenzeitung und ähnlichen Medien wird bereits der Untergang des Abendlandes angekündigt, weil ein unabhängiges Unternehmen, das auf seine Produkte ja schreiben kann, was es will, auf Milchpackerln das türkische Wort “Süt” drucken ließ, wobei diese Milchpackerln eh nur in türkischen Geschäften verkauft werden. Die Kronenzeitungs-Leserbriefschreiber sind auf höchster Betriebstemperatur und fiebern bereits die Abschaffung der deutschen Sprache herbei (”Was kommt als nächstes? Die Butter?” Klar, das heißt dann Bütter). Ein anderer macht sich zum Anwalt der “österreichischen Kühe”, denen es offenbar nicht zugemutet werden kann, dass ihr Eutersaft türkisch heißt. Müh!

Lustig ist, dass es ja seit Jahren in jedem Supermarkt eine türkische Ecke gibt, mit türkischen Produkten, was aber niemanden gestört hat, im Gegenteil, auch der Üsterürrücher säuft gerne einen Raki.

Ansonsten gastiert die seit einigen Jahren bemerkenswert fade Band U2 in Wien. Das erinnert mich an eine liebe Freundin, die einmal in Wien folgendes Plakat entdeckte: “Tickets für U2 zu gewinnen.” Und spontan fragte: “Ein so ein Blödsinn - wer will schon Tickets für eine einzige Linie gewinnen? Noch dazu für so a kurze!”

Die Zeitung Österreich entblödet sich nicht, wieder einmal vorab eine “Songliste” abzudrucken - obwohl U2 bekannt dafür sind, dass sie auf dieser Tour jeden Tag ihre Setlist ändern. Ich bin schon neugierig, ob Österreich diesmal besser liegt als beim Springsteen-Konzert - da stimmten gerade 16 von 29 Songs.

Ach ja, und der Dreifinger-HC beweist auf seinen neuen Wahlinseraten, dass er zwar Deutschkurse für Zuwanderer fordern, aber selbst nicht Deutsch kann. “Nur mehr zehn Prozent der Schüler…”? Wieso mehr? Es ist ja weniger als vorher - NUR NOCH muss es heißen. Sehr schön auch: “Mord- und Totschlag.” Mord mit Bindestrich. Heißt also: Mordschlag und Totschlag.

Insgesamt: Eine ideale Zeit, um ein neues Kabarettprogramm zu proben. Und um es “Daneben” zu nennen. Premiere ist am 12. Oktober im Alsergrund-Theater.

Kategorie Allgemein | 1 Kommentar » 27. August 2010 Guido Tartarotti >

NOW live in Mödling

Am Freitag, den 3. September, spielen wir in der Bühne Mayer in Mödling. Nach unserem Konzert in Wien wollen wir allen Fans zuhause damit beweisen, dass wir trotz des Welterfolgs nicht vergessen haben, wo wir herkommen und wo unsere Wurzeln sind.

Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet lachhafte 10 Euro.

Wir, das sind:

Guido Tartarotti (Gesang, Gitarre)

Dieter Helbig (Gesang, Gitarre)

Maxl Nagel (Gitarre, Gesang)

Wir sind NOW, schreiben unsere Songs selber und klingen wie Rockmusik, nur akustisch.

 

Alles Liebe, bis dann

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 27. August 2010 Guido Tartarotti >

Witze, Teil 2

Ich habe mich unvorsichtigerweise mit den Witz-Erzählern angelegt. Keine gute Idee, denn Witz-Erzähler verstehen keinen Spaß.

Unlängst beschrieb ich zwanghafte Witz-Erzähler als Launigkeitsterroristen,  die ständig Grenzübergänge von Scherz zu Schmerz suchen und finden. Seither schütten mich die vermutlich in einer eigenen Innung organisierten Witz-
Erzähler mit beleidigten, erstaunlich witzlosen E-Mails zu. Herr A. R. etwa drosch mir die Worte „garantierte Humorfreiheit“  um die Ohren. Ja  eh, Humor. Die Verwechslung von Humor mit Witzen, in denen ein Transvestit, die Fekter und ein Elefant beim Urologen sitzen und am Ende lautet die Pointe „Rüssel“, die ist ja leider ein weit verbreitetes Leiden. Im „Villacher Fasching“ hörte ich einmal folgenden: „Jodelt dei Frau a so, wenns kummt? – Na, sie hot an Haustorschlüssel.“ Wie soll man da nicht traurig werden?

Wo waren wir? Sie müssen entschuldigen, ich kann mich gerade schwer konzentrieren, denn vor dem Haus tobt ein Straßenfest mit einer verheerenden Schlagerband. Wo ist die NATO, wenn man sie braucht?

Ach ja, wir waren bei der anderen großen, volkstümlichen Menschenrechtsverletzung, den Witzen. Das Problem mit den Witz-Erzählern ist ja, sie halten niemals das Wichtigste: die Goschen. Sie ertragen es nicht, wenn andere reden, weil sie zu einem echten Gespräch nichts beizutragen haben. Also brüllen sie die gefürchteten Worte „Kennt’s ihr den?“ und ermorden jede Unterhaltung. Sie sind nicht böse, nur hilflos, und sie haben keine Ahnung, was wirklich lustig ist.

Nämlich z. B. dieses. Letztens sagte das Kind einer Freundin zum Thema Tod: „Wenn ein Mensch tot ist, aber noch nicht ganz, darf man ihn  aus dem Fenster hauen, weil dann geht’s schneller. Aber nicht höher als zweiter Stock, sonst ist es gemein.“

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 13. August 2010 Guido Tartarotti >

Probenbeginn!

Ok, hiermit verabschiede ich mich für zwei Wochen in den Urlaub. Wobei Urlaub heißt: Zwei Wochen Proben für mein neues Kabarettprogramm “Daneben”, das im Oktober Premiere hat. Termine siehe “Termine” (wo blieben wir ohne die Logik?). Der Text ist gestern fertig geworden. Das erste Wort lautet “Achtung” und das letzte “Einsteigen”. Das dazwischen sag ich noch nicht.

Ich freue mich schon narrisch auf die Arbeit mit Regisseur Matthias Kempf - und darauf, das Zeug für Sie/Euch auf der Bühne spielen zu können.

Bis bald, passts auf euch auf.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 13. August 2010 Guido Tartarotti >

Gegrillte Witze

Ich hasse Witze, weil ich Witzerzähler hasse. Witzerzähler sind Terroristen und Taliban, welche ganze Abendgesellschaften  in Geiselhaft nehmen. Stundenlang quälen sie ihre Opfer mit Pointen über Männer, die dreimal zum Arzt gehen. Solange, bis die derart Gefolterten um den Tod bitten, welcher ihnen unter Verweis auf die österreichische Gesetzeslage, die Mord ja derzeit nicht gestattet, verweigert wird.

Unlängst war ich beim Malz eingeladen, übrigens zum ersten Mal in meinem Leben. Der Malz ist jetzt 40 und hat eine eigene Wohnung, und das wurde mit einer Grillparty gefeiert.  Ich mag Grillpartys, man verwandelt Fleisch in Kohle, schmeißt es weg, und  isst ausgezeichnete  Salate. Und das war hier nicht anders.  Für den Job der Fleischverkohlung  erwies sich Malzens Schwager als hochqualifiziert, und auch sonst  war er ein netter Kerl. Mir fiel nur auf, dass er mich den ganzen Abend über zuerst erwartungsfroh und dann zusehends enttäuschter ansah. Schließlich räusperte er sich und sagte zu mir: „Du machst doch Kabarett, hab ich gehört   – jetzt erzähl halt endlich a poar Witz!“

Ich versuchte ihm zu erklären, dass er erstens einen Chirurgen ja auch nicht auffordern würde, als Partyeinlage zweidrei Wurmfortsätze zu operieren, und ich zweitens „Kabarett“ nicht als Witzweitwurfwettbewerb verstünde. „Aha“, sagte der Malzschwager, und ich wusste, ich hatte einen potenziellen Zuschauer verloren.

Der Malzschwager erwies sich dann selbst als Witzprofi. Einen erzählte er sogar dreimal, aber den hab ich vergessen. Es ging irgendwie um einen Fuchs, der keine Ziegel essen will, aber auch keine exjugoslawischen Arbeiter.  Ein anderer war wirklich gut, der, wo die beiden Priester bei der Polizeikontrolle schließlich „Gut, wir machen’s“ sagen. Vielleicht erzähl ich Ihnen den in meinem nächsten Programm.

Kategorie Allgemein | 0 Kommentare » 13. August 2010 Guido Tartarotti >

Und dann konnte ich es doch nicht lassen, noch etwas Neues zu Harald Krassnitzer in seinen jüngsten Fernsehauftritten zu verfassen:

Amoklauf

Die vorerst  letzte Folge von „Der Winzerkönig“ brachte  einen Amoklauf, bei dem einige Weinfässer ihr Leben lassen mussten, sowie die Erkenntnis, dass Simbabwe nicht am Neusiedler See liegt.

Das Erfolgsgeheimnis dieser Serie war ja immer, gerade so gut zu sein, dass man sich von der Konkurrenz abhebt, aber nicht so gut, dass  es das Publikum verschreckt.  Den Unterschied machten immer die Schauspieler aus: Die wunderbare Katharina Stemberger, die herrliche Mercedes Echerer, dazu solche Bühnenstars wie Wolfgang Hübsch oder Branko Samarovski in Nebenrollen. In diesem Umfeld riss sich sogar Harald Krassnitzer am Riemen und zeigte, dass er viel mehr kann als nur wässrig dreinschauen.
Außerdem machte er sogar seine Stunts selbst: In der letzten Folge sah man Krassnitzer auf einem Pferd sitzen, Pferd und Reiter wirkten  angespannt, offenbar war es eine sehr gefährliche Szene.

Wie lustig es aussieht, wenn Krassnitzer noch mehr Action bietet, konnte man am Freitag überprüfen: Im ProSieben-Mystery-Blödsinn „Das Blut der Templer“ gibt Krassnitzer, sensationell fehlbesetzt, einen Schwert-Killer mit der Ausstrahlung eines Kampfhamsters.

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Pro7 zeigt heute den herrlichen, weil unsagbar dämlichen Film “Das Blut der Templer” mit Harald Krassnitzer in der Rolle eines Schwertkillers mit der Ausstrahlung eines Kampfhamsters. Das gibt mir Gelegenheit, jenen Text wieder raus zu kramen, den ich vor sechs Jahren anlässlich der Erstausstrahlung schrieb.

das sollte man vielleicht eh immer machen - wenn das Fernsehen was wiederholt, wiederholt die Zeitung einfach die dazu passende Kolumne.

Der Schwerthamster

Magenverstimmt dreinblickende Nachkommen von Jesus und Maria Magdalena, die einander die Köpfe absäbeln; eine fragwürdig frisierte Königin der Nacht und ein notorisch mundfauler Patriarch, die um den verlorenen Sohn kämpfen; dazu Grals-Rätselrallye, lodernde Fackeln, rußige Klostergewölbe und verhaltensgestörte Typen, wie aus einer Privat-TV-Talkshow entsprungen.
Das ProSieben-Fantasy-Spektakel „Das Blut der Templer“ erwies sich als rauschige Mischung aus „Highlander“, dem Bestseller „Sakrileg“ und „Zauberflöte“. Nur, dass der Zweiteiler weder den Witz des Ersteren noch die Spannung des Zweiteren bieten konnte – und schon gar nicht Mozarts Musik.

Was „Das Blut der Templer“ zu bieten hatte: Absurde Brutalitäten, Spezialeffekte wie aus einem Computerspiel, unfassbar dumme Dialoge und einen herrlich fehlbesetzten Harald Krassnitzer. Als die Last der Geschichte und der Verantwortung schleppender Oberschwertkämpfer wirkte er so glaubwürdig wie ein Goldhamster in Rambo-Verkleidung.

Fazit: Ein Quoten-Hit. Weltverschwörung, Historiennebel, Religionskitsch und Martial Arts in Kombination sind offenbar unschlagbar. Vielleicht hat Kurt Krenn nur eines zum Popstar gefehlt: Ein Schwert.

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