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Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Seit seiner Geburt ist er im Raum Mödling wohnhaft, also Wohnhäftling. Der Versuch, nach Rodaun auszuwandern, scheiterte: Ab Perchtoldsdorf sieht man den Anninger nicht mehr! Oder, wie wir in der Bronx sagen: Du kriegst den Mann aus Mödling, aber nicht Mödling aus dem Mann. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse, wo man Auffällige gewohnt war - schließlich hatte die Schule kurz zuvor auch die Hektiker hervorgebracht und überstanden. 1985 wurde er niederösterreichischer Jugendmeister im Gscheitreden, argwöhnten zumindest seine Klassenkollegen. Nach der Matura studierte Guido Tartarotti Geschichte, um seine Eltern in Sicherheit zu wiegen, entschied sich aber für den Berufsweg "Popstar" und wurde rasch im Grenzgebiet von Maria Enzersdorf und Gießhübel weltberühmt. Als er in deiner Probenpause bemerkte, dass er sich keine neuen Gitarrensaiten leisten konnte, wurde er im Nebenberuf Journalist. Die Probenpause hält seit mehr als 20 Jahren an - die Probe könnte aber jederzeit wieder aufgenommen werden. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Tartarotti ist heute Theater- und Popmusikkrititiker, unter dem Pseudonym "guitar" Autor der Glosse auf Seite 1 des KURIER und Kolumnist. "ÜberLeben" erscheint jeden Samstag in der KURIER-FREIZEIT: Kürzestgeschichten vom Pannenstreifen des Alltags. 2008 schrieb er unter dem Vorwand, eine Kolumnenlesung zu planen, ein Kabarettprogramm - und sorgte damit auch bei sich selbst für eine echte Überraschung: "Über Leben - Escape From Meerschweinchenkäfig" lief mit großem Erfolg auf den Kleinstkunstbühnen. 2010/2011 spielte Guido Tartarotti sein zweites Programm "Daneben" - ein kabarettistisches Stück über die Absurditäten des journalistischen Alltags, über die Kunst, dagegen zu sein und ein Flugzeug Richtung Paralleluniversum zu erwischen. Daneben schreibt Tartarotti Songs (u. a. für Wolfgang Ambros und die Gruppe Kempf), spielt Gitarre und singt, arbeitet mit einer Theatergruppe und tritt als DJ in Erscheinung (falls Sie ihn buchen wollen: Soul, Funk, Disco, Rock - keine Skihüttenhits, kein House!). 2006 eröffnete er gemeinsam mit Freunden ein Lokal, um es plangemäß nach genau 100 Tagen wieder zuzusperren: Das legendäre 100tage in Mödling war mindestens so sehr Kunstinstallation wie Bar, auf jeden Fall aber stets ganz großes Partykino. Höhepunkte: Ein Soloauftritt von Georg Danzer, ein Konzert der Rockband core auf dem Dach (zu Mitternacht des 30. Dezember) und eine von einer spontanen Blasmusikeinlage begleitete Kochshow mit Sabine Petzl. Guido Tartarotti hat zwei Kinder, 4000 CDs (Barock bis Death Metal), nach wie vor keine Bohrmaschine und immer noch jede Menge blöder Ideen. |